Gibt es für Freimaurer eine Schweigepflicht?
- Freimaurer wollen Brüder im gemeinsamen Streben nach Selbsterkenntnis, Selbstüberwindung und Selbstveredlung sein; in solch eine Gesellschaft passt kein Mensch mit loser Zunge. Verschwiegenheit ist eine der ersten Tugenden des Freimaurers, um Gutes zu befördern und Übles zu verhüten. Ausplaudereien über innere Angelegenheiten würden das Gefühl der Vertraulichkeit verletzen, das unter den Mitgliedern einer Loge, wie unter denen einer Familie, bestehen und gewahrt werden soll. Seine Zunge im Zaum zu halten ist eine Haupterweisung der Selbstbeherrschung, die jeden edlen Menschen zieren sollte.
- Geheimhaltung gelobt der Freimaurer bezüglich der Erkennungszeichen, damit nicht Uneingeweihte Zutritt in die Logen erhalten, ferner bezüglich des Gebrauchtums sowie der inneren Angelegenheiten. Rituale werden nicht veröffentlicht, damit sie nicht profanisiert und falsch gedeutet werden können. Das Geheimnis liegt im Verständnis des Rituals, das sich nur in der Teilnahme und im Erleben erschließt. Selbst das Edelste verwandelt sich in das Gegenteil, wenn es missbraucht wird.
- Bestände der Bund der Freimaurerei nur aus lauter rechtschaffenen, sittlich befähigten und würdigen Mitgliedern, so bedürfte es keines derartigen Gebots; aber die Unvollkommenheit bringt es mit sich, dass das, was sich eigentlich von selbst vesteht, ausdrücklich verlangt werden muss, um den Schwachen ein Stütze zu geben und gegen die Unwürdigen einen Schutz zu haben. Die einzelne Loge wüde nicht so vertrauensvoll jedem, der irgendwo in einer anderen Loge zum Freimaurer aufgenommen ist, die Türen und die Herzen der Brüder öffnen können, wenn sie sich nicht vor Entweihung gesichert wüsste.