Freimaurerei aller Menschen

Gründe für eine Freimaurerei aller Menschen

Die „Alten Pflichten“ von 1723 und die „Basic Principles“ der United Grand Loge of England von 1929 schreiben vor, dass alle Freimaurerlogen Männerbünde sein müssen. Diesen Grundsatz haben alle durch die UGLoE anerkannten Großlogen für Männer in Ihren Satzungen fest verankert, dazu gehören auch die Großlogen und Logen der Vereinigten Groß-Logen von Deutschland (VGLvD).

Eine Ausnahme hiervon bilden lediglich die geschlechtlich gemischten Großlogen und die Frauen- und Männerlogen der Groß-Oriente von Frankreich, Belgien, Luxemburg, Österreich, Schweiz und Deutschland, welche Frauen und Männer aufnehmen oder uneingeschränkt an den Tempelarbeiten teilnehmen lassen.

Man muss dazu wissen, dass in der Gründerzeit der konstituierten Freimaurerei, also Anfang des 18. Jahrhunderts, die Einstellung zur Frau eine völlig andere war als heute. Der Mann ging davon aus, in allem Priorität zu haben. Frauen wurden die Fähigkeiten abgesprochen, für Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und für wesentliche Gebiete der Arbeitswelt befähigt zu sein. Dies war wohl der Grund, dass sich die Freimaurerei als Männerbund konstituierte, obwohl sie von einer humanitären Geisteshaltung ausging und daher auch Frauen gegenüber hätte offen sein müssen; aber dies entsprach wohl auch dem herrschenden Zeitgeist.

In der Zwischenzeit hat sich sehr viel geändert. Die Gleichberechtigung der Frauen wurde in den Verfassungen festgeschrieben, man vertritt heute die Auffassung der Gleichwertigkeit von Frau und Mann. Auffallend ist aber die Tatsache, dass trotz aller Fortschritte noch heute Schwierigkeiten bei der Gleichstellung von Frau und Mann in der Freimaurerei existieren. Aus der neuen Rollenverteilung sind weit reichende Folgerungen für die Freimaurerei zu ziehen.

Frauen sind nach den allgemeinen Menschenrechten gleichberechtigt und gleichwertig; insbesondere ist dieses in der freien Welt so und nicht zu bestreiten.

Ein Ausschluss von Frauen kann also heute nur als Willkür des Mannes, oder als Frauenfeindlichkeit betrachtet werden. Von den durch die UGLoE anerkannten Männerlogen wird normalerweise das Argument vorgebracht, dass die Freimaurerei Frauen zu geselligen Veranstaltungen hinzuziehe und ihr so eine Mitwirkung biete. Aber als Nichtmitglieder können sie so nicht am aktiven Logenleben teilnehmen. Auch Frauen der Frauen-Großloge von Deutschland werden von ihnen nur als „freimaurerisch arbeitend“, also nicht als weibliche Freimaurer anerkannt.

Würde durch die UGLoE das Verbot Frauen in die Freimaurerei aufzunehmen abschaffen, könnten die bereits bestehenden liberalen Logen von ihr wieder als „regulär“ anerkannt werden, da keine wesentlichen Unterschiede in Tempelarbeiten und humanitären Zielsetzungen zwischen Männer-, Frauen- oder geschlechtlich gemischten Logen bestehen. Die Freimaurerei wird in Zukunft nicht umhin kommen, Frauen in ihren Logen aufnehmen zu müssen, da Unbeweglichkeit dem Ansehen der Freimaurerei schadet, sie bedarf aber das Zutrauen des modernen Menschen, ganz besondere der Jugend.

 

Geschichte der geschlechtlich gemischten Freimaurerei

 

Europa

Geschlechtlich gemischte Freimaurerei gibt es in Europa seit spätestens 1759 als in Hamburg eine erste Freimaurerloge gegründet wurde, die sowohl Männer als auch Frauen als Mitglieder aufnahm.

Etwas Genaues über die Verbreitung geschlechtlich gemischter Logen in Europa zu sagen ist problematisch, da dieses Thema fast vollends unerforscht ist. Bis etwa 1890 gab es keine geschlechtlich gemischte Großloge in Europa und von vor dieser Zeit existieren keine gesicherten Dokumente zu geschlechtlich gemischten Logen.

Gemeinhin wird die These, dass sich die Freimaurerei aus den Steinmetzzünften des Mittelalters entwickelt habe, dahingehend erweitert, dass Frauen niemals Mitglieder irgendeiner, schon gar nicht einer Steinmetzzunft werden konnten. Allerdings war die Tochter des Erbauers des Straßburger Münsters, Sabine von Steinbach, Mitglied der Zunft. Großes Interesse von Frauen an der Freimaurerei bestand von Anfang an.

In England und Frankreich wurden geschlechtlich gemischte Logen gegründet, verschwanden aber wieder, Männerlogen nahmen auch Frauen auf, jedoch setzte sich das nicht durch, weil Frauen mit ihrer Heirat meistens alle Rechte verloren.

Die so genannten Adoptionslogen, von Männerlogen gegründete nicht eigenständige Logen, erlaubten gemeinsame Tempelarbeiten nach besonderen Ritualen. Auch die Adoptionslogen sind noch völlig unerforscht, Forscher sprechen davon, dass sie dazu genutzt wurden, die Frauenmaurerei zu unterwerfen oder zu kontrollieren. „Adoptionslogen“ nahmen einen großen Aufschwung im ersten französischen Kaiserreich, wohl weil von Kaiserin Josephine und zahlreichen aristokratischen Damen berichtet wird, dass sie Mitglied solcher Logen waren. Sie gingen aber allesamt unter.

Es war ein langer Weg, bis Frauen offiziell und gleichwertig in Logen eintreten konnten. Kritik konnte man bereits im Januar 1733 in der „Vossischen Zeitung“ lesen. Der „Teutsche Merkur“ schrieb 1785, „dass bei den Freimaurern den Frauen wohl das Herz offen stehe, aber die Loge geschlossen sei.“ Als Goethes Sohn August bei einer Veranstaltung der Loge „Amalia“, bei der auch Frauen eingeladen wurden, ihren Dank ausdrücken sollte, ließ Goethe ihn folgende Frage in Versform stellen:

„Sollen wir aber, die Frauen,
Dankbar solche Brüder preisen,
Die ins Innere zu schauen,
Immer uns zur Seite weisen?“

1867 spalteten sich 12 Logen von der Großloge von Frankreich ab und gründeten die „Schottische Symbolische Großloge“. Es wurde debattiert, ob sich erstmals in der Geschichte Männerlogen in gleichgestellte Logen umwandeln sollten. 1882 nahm eine dieser Logen Maria Deraimes, eine bekannte französische Feministin auf. 11 Jahre später wurde mit dem „Droit Humain“ offiziell von Marie Deraimes und George Martin die erste geschlechtlich gemischte Großloge in Europa gegründet, weitere gründeten sich in den folgenden Jahrzehnten.

 

Deutschland

In Hamburg wurde 1759 eine erste Freimaurerloge gegründet, die sowohl Männer als auch Frauen als Mitglieder aufnahm. Die erste geschlechtlich gemischte Großloge in Deutschland wird 1905/1906 durch die Freimaurer Dr. Carl Kellner und Theodor Reuss begründet; sie existiert aber schon lange nicht mehr.

Unter der Aufsicht der französischen Großloge „Droit Humain“ wird 1921 erneut eine geschlechtlich gemischte Freimaurerloge gegründet. Sie musste 1935 auch zwangsweise ihre Arbeit beenden, wurde aber 1949 wiedereröffnet. Sie unterstand bis 1958 der niederländischen Föderation, dann wurde zwar eine deutsche Jurisdiktion ernannt, ist aber den Weisungen aus Paris unterworfen.

1995 gründeten Freimaurer der französischen Männergroßloge „Grand Orient de France“ die neue Großloge „Großorient von Deutschland/ Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne“, sie soll sowohl Männerlogen, Frauenlogen als auch geschlechtlich gemischte Logen vertreten, gewann aber keine Bedeutung.

2001 gründeten ehemalige Freimaurer der „Vereinigten Großlogen von Deutschland“, die Loge „Phoenix - Europäische Wanderloge e.V.“ in Düsseldorf. Sie bildete mit Unterstützung des Forum R. E. F. O. R. M. die Grundlage für den im September 2002 gegründeten „Souveränen GrossOrient von Deutschland“, in den im Oktober 2003 feierlich durch 5 europäische Großlogen und Groß-Oriente das Licht eingebracht wurde. Der „SGOvD“ vertritt liberale Frauen-, Männer- und gemischtgeschlechtliche Logen in Deutschland, aber auch im europäischen und außereuropäischen Raum.

Die erste geschlechtlich gemischte Loge dieses Dachverbandes ist die Loge „Zur Bauhütte Adolph Freiherr von Knigge“ in Bremen. Eine weitere Loge gründet sich in Brüssel, sie trägt den Namen „Lessing - Europäische Wanderloge“ und arbeitet in deutscher Sprache. Zur Lichteinbringung Oktober 2003 schließt sich eine Frauenloge, die Loge „Mehr Licht!“ in Freiburg i. Br. an, nachdem sie ihre alte Großloge „Grande Loge Féminine de France“ verlassen hatte.

Letzte Neugründung des SGOvD ist die geschlechtlich gemischte Loge „GLÜCK AUF!“ in Dortmund mit dem Gründungsdatum 8. Januar 2005. Daneben haben sich weitere Zirkel gegründet.